Cybercrime Trends: Die häufigsten Angriffsmethoden gegen Unternehmen

Von Phishing und gestohlenen Zugangsdaten bis zu Ransomware und KI: Welche Angriffsmethoden Unternehmen aktuell besonders im Blick behalten sollten.

Fachbeitrag
Schmuckbild Cybergefahren

Cybercrime gehört inzwischen zum Alltag deutscher Unternehmen. Laut der Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2025“ waren neun von zehn Unternehmen im vergangenen Jahr von Angriffen betroffen. Der durch Diebstahl, Sabotage und Industriespionage verursachte Gesamtschaden belief sich auf rund 289 Milliarden Euro. 70 % davon gingen direkt auf Cyberattacken zurück.

Dabei setzen Cyberkriminelle keineswegs nur auf hochkomplexe technische Angriffe. Häufig beginnt eine erfolgreiche Attacke mit einer gefälschten E-Mail, einem gestohlenen Passwort oder einer vermeintlich vertrauenswürdigen Nachricht. Gleichzeitig entwickeln sich die Methoden weiter: Angreifer nutzen Sicherheitslücken, kompromittieren Dienstleister und setzen zunehmend KI ein, um ihre Attacken schneller und überzeugender zu gestalten.

Welche Angriffsmethoden sollten Unternehmen besonders im Blick behalten?

Phishing und Social Engineering: Der Mensch im Visier

Eine Nachricht von Microsoft, eine dringende Anfrage der Geschäftsführung oder eine vermeintliche Mitteilung der Personalabteilung: Beim Phishing versuchen Angreifer, ihre Opfer dazu zu bringen, Zugangsdaten preiszugeben, schädliche Anhänge zu öffnen oder manipulierte Links anzuklicken.

Phishing gehört weiterhin zu den wichtigsten Einfallstoren für Cyberangriffe. Die europäische Cybersicherheitsagentur ENISA hat für ihren Threat Landscape Report 2025 insgesamt 4.875 Vorfälle untersucht. Bei den analysierten Angriffen war Phishing mit 60 % der mit Abstand häufigste initiale Zugangsweg.

Dabei beschränkt sich Social Engineering längst nicht mehr auf klassische E-Mails. Angreifer nutzen auch SMS, Messenger, Telefonanrufe oder soziale Netzwerke. Durch Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen können sie ihre Nachrichten zudem gezielt auf einzelne Personen und Unternehmen zuschneiden.

Gestohlene Zugangsdaten: Mit fremder Identität ins Unternehmen

Warum kompliziert in ein System einbrechen, wenn man sich mit einem gültigen Passwort anmelden kann?

Benutzernamen und Passwörter sind für Cyberkriminelle besonders wertvoll. Sie können beispielsweise durch Phishing, Schadsoftware oder bereits veröffentlichte Datenlecks in die Hände von Angreifern gelangen.

Wie relevant diese Angriffsmethode weiterhin ist, zeigt der Data Breach Investigations Report 2026 von Verizon: Bei 36 % der untersuchten Datenschutzverletzungen spielte die Verwendung gestohlener Zugangsdaten eine Rolle.

Besonders problematisch wird es, wenn Beschäftigte dieselben oder ähnliche Passwörter für mehrere Dienste verwenden. Unternehmen sollten deshalb technische Maßnahmen wie Multi-Faktor-Authentifizierung etablieren. Gleichzeitig müssen Mitarbeitende verstehen, warum ein verantwortungsvoller Umgang mit Zugangsdaten und das Erkennen verdächtiger Login-Anfragen entscheidend sind.

Schwachstellen: Cyberkriminelle suchen nach offenen Türen

Während Angreifer beim Phishing gezielt Menschen ins Visier nehmen, benötigen sie deren Mithilfe nicht immer. Eine stark wachsende Rolle spielen Sicherheitslücken in Software, VPN-Zugängen, Servern und anderen mit dem Internet verbundenen Systemen.

Der Verizon DBIR 2026 zeigt hier eine besonders deutliche Entwicklung: Die Ausnutzung von Schwachstellen spielte bei 32 % der untersuchten Datenschutzverletzungen eine Rolle. Im vorherigen Bericht waren es noch 18 % – der Anteil hat sich damit innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt.

Für Unternehmen bedeutet das: Updates und Sicherheits-Patches dürfen nicht unnötig aufgeschoben werden. Ein strukturiertes Patch- und Vulnerability-Management gehört zu den zentralen Bausteinen einer wirksamen Cybersecurity-Strategie.

 

Ransomware: Wenn plötzlich nichts mehr funktioniert

Ist der Zugang zum Unternehmensnetzwerk erst einmal gelungen, kann Ransomware eine der möglichen Folgen sein. Cyberkriminelle verschlüsseln dabei Daten oder Systeme und verlangen für deren Freigabe ein Lösegeld. Häufig werden zuvor zusätzlich sensible Unternehmensdaten gestohlen. Unternehmen werden dann nicht nur mit dem Ausfall ihrer Systeme, sondern auch mit der Veröffentlichung vertraulicher Informationen erpresst.

Ransomware bleibt eine der folgenreichsten Cyberbedrohungen. ENISA bezeichnet sie im Threat Landscape 2025 als die Bedrohung mit den größten Auswirkungen in der EU. Auch der Data Breach Investigations Report 2026 von Verizon verdeutlicht die Dimension: Bei fast jeder zweiten untersuchten Datenschutzverletzung spielte Ransomware eine Rolle.

Die möglichen Konsequenzen reichen von Produktions- und Betriebsausfällen über Datenverlust bis hin zu erheblichen finanziellen Schäden und Reputationsverlusten.

Lieferkettenangriffe: Wenn der Angriff über Dritte kommt

Konzerne sind heute mit einer Vielzahl von Dienstleistern, Softwareanbietern und Geschäftspartnern digital vernetzt. Genau diese Abhängigkeiten machen sich Angreifer zunehmend zunutze.

Statt ein gut geschütztes Unternehmen direkt anzugreifen, kompromittieren sie beispielsweise einen externen Dienstleister und verschaffen sich darüber Zugang zu weiteren Organisationen.

Der Verizon DBIR 2025 zeigt, wie relevant dieses Risiko inzwischen ist: Bei 30 % der untersuchten Datenschutzverletzungen waren Drittparteien beteiligt – doppelt so häufig wie im Vorjahr.

Cybersecurity endet deshalb nicht an der eigenen Unternehmensgrenze. Auch die Sicherheitsstandards von Dienstleistern, Softwareanbietern und anderen Partnern sollten Teil des Risikomanagements sein.

KI verändert auch Cybercrime

Künstliche Intelligenz bietet nicht nur Unternehmen neue Möglichkeiten. Auch Cyberkriminelle können generative KI nutzen, um ihre Angriffe vorzubereiten und zu skalieren.

Täuschend echt formulierte Phishing-Nachrichten lassen sich innerhalb weniger Sekunden erstellen und in zahlreiche Sprachen übersetzen. Auch Social-Engineering-Angriffe sowie manipulierte Stimmen, Bilder und Videos können mithilfe von KI überzeugender gestaltet werden.

Damit wird eine Fähigkeit für Mitarbeitende noch wichtiger: Nicht allein auf die professionelle Gestaltung einer Nachricht oder einen vermeintlich bekannten Absender zu vertrauen, sondern Inhalt, Kontext und Auffälligkeiten kritisch zu prüfen.

Cybersecurity braucht Technik – und sensibilisierte Mitarbeitende

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass es nicht den einen typischen Cyberangriff gibt. Angreifer kombinieren technische Schwachstellen mit gestohlenen Zugangsdaten, Social Engineering und Schadsoftware. Entsprechend muss auch die Verteidigung auf mehreren Ebenen ansetzen. Firewalls, Multi-Faktor-Authentifizierung, Backups, Patch-Management und weitere technische Schutzmaßnahmen bilden die Grundlage wirksamer Cybersecurity. Sie können jedoch nicht jede Situation abfangen.

Mitarbeitende treffen täglich sicherheitsrelevante Entscheidungen: Ist dieser Link vertrauenswürdig? Darf ich diese Datei öffnen? Ist die dringende Zahlungsaufforderung tatsächlich von meiner Führungskraft? Was tue ich, wenn mir eine ungewöhnliche Anmeldung auffällt?

Genau hier setzt Security Awareness an. Regelmäßige Schulungen helfen Beschäftigten, aktuelle Angriffsmethoden zu kennen, verdächtige Situationen frühzeitig zu erkennen und im Ernstfall richtig zu reagieren. Denn so technisch Cybercrime auch erscheinen mag: Der Mensch bleibt an vielen Stellen ein entscheidender Faktor für die Informationssicherheit.

Bei der Realisierung systematischer und regelmäßiger Schulungen ist E-Learning das Schlüsselformat für die meisten Unternehmen. E-Learning-Systeme sorgen dabei für die Verteilung, Bereitstellung und Dokumentation von Schulungen für relevante Zielgruppen. 

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