Nachhaltigkeit im Unternehmen: So wird Strategie zur gelebten Praxis

Nachhaltigkeitsstrategien entfalten nur dann Wirkung, wenn Mitarbeitende sie kennen, verstehen und im Arbeitsalltag mittragen. Wie Unternehmen Nachhaltigkeit intern verankern und Beteiligung ermöglichen.

Fachbeitrag
Symbole Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit braucht mehr als Ziele

Viele Unternehmen setzen sich heute Nachhaltigkeitsziele. Sie wollen Ressourcen schonen, Emissionen reduzieren, soziale Verantwortung übernehmen oder nachhaltiger wirtschaften. Meist werden diese Ziele in Strategien, Leitbildern, Nachhaltigkeitsberichten oder ESG-Programmen festgehalten.

Doch zwischen Strategie und gelebter Praxis entsteht oft eine Lücke: Nachhaltigkeitsziele müssen in den Arbeitsalltag übersetzt werden. Genau hier kommen die Mitarbeitenden ins Spiel. Denn Nachhaltigkeit wird nicht allein in der Geschäftsführung beschlossen oder in Berichten dokumentiert. Sie entsteht dort, wo Menschen täglich Entscheidungen treffen, Prozesse gestalten, Materialien nutzen, Energie verbrauchen, kommunizieren und zusammenarbeiten.

Wenn Mitarbeitende nicht wissen, welche Nachhaltigkeitsziele das Unternehmen verfolgt, bleiben diese abstrakt. Noch schwieriger wird es, wenn zwar über Nachhaltigkeit gesprochen wird, aber unklar bleibt, was sie konkret für einzelne Rollen, Abteilungen oder Arbeitsabläufe bedeutet.

Deshalb wird eine Nachhaltigkeitsstrategie erst dann wirksam, wenn Mitarbeitende verstehen, was sie bedeutet – und welchen Beitrag sie selbst leisten können.

Warum Mitarbeitende Nachhaltigkeit wirksam machen

Mitarbeitende beeinflussen an vielen Stellen, wie nachhaltig ein Unternehmen tatsächlich handelt: im Umgang mit Energie und Materialien, bei Prozessentscheidungen, in der Zusammenarbeit mit Lieferanten, Kundinnen und Kunden sowie durch Verbesserungsvorschläge aus der täglichen Praxis. Dabei geht es nicht nur um große strategische Entscheidungen. Oft sind es viele kleine Handlungen, die in Summe Wirkung entfalten.

Gleichzeitig sind Mitarbeitende wichtige Multiplikatoren. Wenn sie Nachhaltigkeit verstehen und als sinnvoll erleben, tragen sie das Thema weiter – in Teams, Projekten und Arbeitsabläufe. So kann aus einer Strategie Schritt für Schritt eine nachhaltige Unternehmenskultur entstehen.

Dass Nachhaltigkeit für viele Beschäftigte auch persönlich relevant ist, zeigen aktuelle Befragungen: 66 Prozent der Beschäftigten in Deutschland finden es wichtig, dass Nachhaltigkeit bei ihrem Arbeitgeber einen hohen Stellenwert hat. In einer Stepstone-Studie gaben sogar 76 Prozent der Beschäftigten an, dass ihnen Nachhaltigkeit beim Arbeitgeber wichtig ist; 40 Prozent sehen sie bereits heute als entscheidendes Kriterium für die Bindung an den Arbeitgeber.

Entscheidend ist dabei Glaubwürdigkeit. Mitarbeitende merken schnell, ob Nachhaltigkeit nur als Kommunikationsbotschaft genutzt wird oder ob sie tatsächlich Teil des Unternehmensalltags ist. Wenn Ziele transparent erklärt, Fortschritte offen kommuniziert und Beteiligung ermöglicht werden, entsteht Identifikation. Nachhaltigkeit wird dann nicht als Vorgabe von oben wahrgenommen, sondern als gemeinsames Projekt.

Das Problem: Viele kennen die Strategie nicht

In der Praxis kennen viele Mitarbeitende die Nachhaltigkeitsziele ihres Unternehmens nur oberflächlich oder gar nicht. Manche haben vielleicht schon von einer Klimastrategie, ESG-Zielen oder einem Nachhaltigkeitsbericht gehört, wissen aber nicht, was das für ihre tägliche Arbeit bedeutet.

Studien zeigen genau diese Lücke: Nur 44 Prozent der Beschäftigten meinen, die Nachhaltigkeitsstrategie ihres Unternehmens zu kennen. Und nur etwa die Hälfte gibt an, zu verstehen, was Nachhaltigkeit im eigenen Arbeitsumfeld konkret bedeutet. Gleichzeitig erleben viele Beschäftigte Nachhaltigkeit noch nicht als fest verankerten Teil des Unternehmensalltags: Nur 49 Prozent nehmen wahr, dass Nachhaltigkeit im Unternehmen wichtig ist; beim Thema Klimaschutz sind es sogar nur 31 Prozent.

Das ist nachvollziehbar. Nachhaltigkeit ist ein breites Thema und wird häufig mit abstrakten Begriffen verbunden: Lieferkettensorgfalt, ESG, Kreislaufwirtschaft, Klimaneutralität oder soziale Verantwortung. Für Mitarbeitende wird es erst dann greifbar, wenn diese Begriffe in konkrete Situationen übersetzt werden.

Unternehmen sollten sich deshalb fragen: Wissen unsere Mitarbeitenden, welche Nachhaltigkeitsziele wir verfolgen? Verstehen sie, warum diese Ziele wichtig sind? Und erkennen sie, welchen Beitrag sie selbst leisten können?

Wenn diese Fragen nicht klar beantwortet werden, bleibt Potenzial ungenutzt.

Wie Unternehmen Mitarbeitende einbinden können

Damit Mitarbeitende Nachhaltigkeitsstrategien mittragen, brauchen sie Orientierung, Wissen und Handlungsmöglichkeiten. Interne Kommunikation spielt dabei eine zentrale Rolle. Nachhaltigkeitsziele sollten nicht nur einmalig veröffentlicht, sondern regelmäßig, verständlich und zielgruppengerecht vermittelt werden.

Wichtig ist, Nachhaltigkeit in den jeweiligen Arbeitsalltag zu übersetzen. Für Einkauf, Vertrieb, Produktion, Verwaltung oder Personalabteilung bedeutet Nachhaltigkeit jeweils etwas anderes. Je konkreter Unternehmen zeigen, wo Nachhaltigkeit im jeweiligen Aufgabenbereich relevant ist, desto eher entsteht Verständnis.

Auch Beteiligungsformate können helfen: Workshops, Nachhaltigkeitsteams, interne Kampagnen oder Feedbackmöglichkeiten schaffen Raum für Mitgestaltung. Mitarbeitende kennen viele Prozesse aus der täglichen Praxis sehr genau und können wertvolle Hinweise geben, wo Ressourcen gespart, Abläufe verbessert oder nachhaltigere Entscheidungen getroffen werden können.

Dass hier noch Potenzial besteht, zeigt eine weitere Zahl: Nur 32 Prozent der Beschäftigten erleben, dass Mitarbeitende, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen, große Unterstützung erhalten.

Führungskräfte sind dabei besonders wichtig. Sie machen deutlich, ob Nachhaltigkeit Priorität hat oder nur ein Zusatzthema ist. Wenn Führungskräfte Nachhaltigkeitsziele erklären, Vorbild sind und Teams bei der Umsetzung unterstützen, wird das Thema verbindlicher.

Schulungen schaffen gemeinsames Verständnis

Ein weiterer zentraler Baustein sind Schulungen. Denn Nachhaltigkeit setzt Wissen voraus: Mitarbeitende müssen verstehen, was Nachhaltigkeit für das Unternehmen bedeutet, welche Ziele verfolgt werden und welche Rolle sie selbst dabei spielen.

Schulungen können helfen, komplexe Themen verständlich zu machen und ein gemeinsames Grundverständnis zu schaffen. Sie vermitteln nicht nur Fakten, sondern sensibilisieren für Zusammenhänge: Warum ist Ressourcenschonung relevant? Welche Auswirkungen haben bestimmte Entscheidungen? Was bedeutet nachhaltiges Verhalten im eigenen Arbeitsbereich?

Gerade E-Learnings bieten hier Vorteile. Sie lassen sich flexibel ausrollen, erreichen viele Mitarbeitende und können Inhalte zielgruppengerecht aufbereiten. So wird Nachhaltigkeit nicht nur kommuniziert, sondern systematisch vermittelt.

Auch im Zusammenhang mit Umwelt- oder Energiemanagementsystemen spielen Sensibilisierung und Kompetenzaufbau eine wichtige Rolle. Denn Anforderungen, Prozesse und Ziele können nur dann wirksam umgesetzt werden, wenn Mitarbeitende sie kennen und im Arbeitsalltag anwenden können.

Fazit: Nachhaltigkeit wird gemeinsam wirksam

Mitarbeitende sind ein entscheidender Erfolgsfaktor für Nachhaltigkeitsstrategien. Sie prägen, ob Nachhaltigkeit im Unternehmen nur formuliert oder tatsächlich gelebt wird. Wer sie informiert, sensibilisiert und beteiligt, schafft die Grundlage dafür, dass Ziele im Alltag wirksam werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Nachhaltigkeit sollte nicht nur extern berichtet, sondern intern verankert werden. Klare Kommunikation, Führung, Beteiligung und Schulungen helfen dabei, aus strategischen Zielen konkrete Handlungsmöglichkeiten zu machen.

So entsteht eine Nachhaltigkeitskultur, die nicht von einzelnen Abteilungen getragen wird, sondern von der gesamten Organisation.

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