Hohe Erwartungen, geringe strukturelle Reife
Sich ständig wandelnde gesetzliche Vorgaben und Rahmenbedingungen, Fachkräftemangel und Rückstand bei der digitalen Transformation bewirken einen großen Veränderungsdruck in der Öffentlichen Verwaltung. Das bedeutet gleichzeitig hohe Anforderungen an die Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeitenden.
In den meisten Verwaltungen ist digitales Lernen kein Fremdwort mehr: Behörden verfügen über Lernplattformen, Standard-E-Learnings oder bieten vereinzelt Webinare an. Doch flächendeckende, strategisch verankerte digitale Lernsysteme sind die Ausnahme.
Es zeigt sich ein deutlicher Reifegradunterschied zwischen Bund, Ländern und Kommunen: Während einige Bundesbehörden bereits über funktionierende Lernplattformen mit elektronischen Nachweisstrukturen verfügen, arbeiten viele Kommunalverwaltungen noch überwiegend analog oder mit Insellösungen.
Pflichtschulungen, wie zum Beispiel zu den Themen Datenschutz, Arbeitsschutz oder IT-Sicherheit, dienen vielerorts als einziger systematischer Treiber digitaler Weiterbildung. Der Aufbau umfassender Lernökosysteme hingegen erfolgt nur schleppend.
Der Modernisierungsdruck wächst – auch beim Lernen
Die Verwaltung steht an einem Wendepunkt. Qualifizierung und kontinuierlicher Kompetenzaufbau werden in den kommenden Jahren zur strategischen Grundbedingung. Ein nachhaltiges Lernverständnis erfordert dabei, dass Lernen nicht länger als Zusatzbelastung betrachtet wird, sondern als integraler Bestandteil professioneller Verwaltungsarbeit.
Entscheidend ist der Aufbau stabiler Infrastruktur mit modernen Plattformen, rechtssicheren Prozessen und leicht zugänglichen Inhalten. Verwaltungen, die bereits heute konsequent auf digitale Lernarchitekturen setzen, berichten von einer deutlichen Entlastung der Schulungsorganisation, einer höheren Reichweite von Qualifizierungsmaßnahmen und einem wachsendem Selbstverständnis der Beschäftigten, Lernen als kontinuierliche Aufgabe wahrzunehmen.
Kooperation statt Konkurrenz: Besondere Chancen im kommunalen Sektor
Kommunen stehen nicht miteinander im Wettbewerb. Diese strukturelle Besonderheit ermöglicht eine Lern- und Weiterbildungskultur, die auf Kooperation statt Konkurrenz beruht. Inhalte wie etwa Standardunterweisungen, Grundlagenmodule zu Verwaltungsrecht, Datenschutz, OZG-Prozessen oder IT-Sicherheit, könnten problemlos organisationsübergreifend geteilt werden.
Zahlreiche Akteure wie etwa der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB), weisen seit Jahren darauf hin, dass Kommunen enorm profitieren würden, wenn Qualifizierungsangebote zentral entwickelt und dezentral genutzt werden könnten.
Denn Lernbedarfe im kommunalen Alltag sind oft sehr ähnlich. Ein stärkerer Verbundgedanke könnte den Zugang zu hochwertigem digitalen Lernen erheblich erleichtern. Gemeinsame Content-Pools, modulare Lernbibliotheken oder landesweite Standardkurse würden nicht nur Doppelarbeit vermeiden, sondern zugleich sicherstellen, dass auch kleinere Kommunen mit begrenzten Ressourcen moderne Lernangebote nutzen können. Diese Kooperationen könnten zu einem entscheidenden Hebel für Professionalisierung und Gleichwertigkeit kommunaler Weiterbildung werden.