Vom Sinn und Unsinn der Work-Life-Balance

Insights

Bei uns gibt es keine Work-Life-Balance

Und nicht nur bei uns. Es kann überhaupt keine Work-Life-Balance geben. Wie würde das denn auch aussehen? Die Büros und Fabrikhallen wären voller Zombies, die erst nach Dienstschluss wieder zum Leben erwachen.

In manchen Unternehmen mag es sich zwar ziemlich genau so anfühlen, aber im Normalfall sollten Arbeitnehmer auch während der Arbeit Menschen aus Fleisch und Blut sein. Und dann gibt es auch keine Balance zwischen Arbeit und Leben, sondern zwischen Arbeit und Freizeit. Das ist keine Wortklauberei, sondern des Pudels Kern.

Wer Arbeit nicht als integralen Bestandteil seines Lebens betrachtet, ist ein armer Tropf. Was muss es für ein furchtbares Schicksal sein, nur von Freitag bis Sonntag, an Feiertagen und während der „schönsten Wochen des Jahres“, den Ferien, wirklich zu leben? Und echten Trost angesichts all der Mühsal verschafft nur der Ausblick auf die erlösende Rente.

Tatsächlich denkt ungefähr die Hälfte der deutschen Bevölkerung (und nicht nur der) so oder so ähnlich. Und dann versteht man auch, wie der unselige Begriff der Work-Life-Balance entstehen konnte. 

Arbeit sollte bereichern!

Man muss kein Workaholic sein oder ein Masochist, der sich gerne ausbeuten lässt, um Arbeit als etwas Erfüllendes und Bereicherndes anzusehen. Im Gegenteil. Beruf kommt von Berufung und neben einem Dach über dem Kopf, angemessener Kleidung, gesunder Nahrung, frischem Wasser und sozialen Kontakten gehört es zu den Grundbedürfnissen des Menschen, eine Aufgabe zu haben.

Es kommt dabei nicht darauf an, ob wir Astronaut, Manager oder Gärtner (m/w/d) werden. Es kommt überhaupt nicht darauf an, was wir tun, sondern wie wir es tun. Im Idealfall arbeiten wir nicht, um unsere Freizeit zu finanzieren, sondern um der Sache willen. Sinnerfüllt. Mit Herzblut und Leidenschaft. Und natürlich nicht bis zum Umfallen, sondern mit angemessenen Pausen und einem ebenso erfüllten Privatleben als Ausgleich zu einem befriedigenden Arbeitsleben. Das ist wirkliche Balance.

Daraus entsteht der Flow, der uns gemeinsam mit Gleichgesinnten Großartiges schaffen lässt. Dabei geht es nicht nur um Erfolg, obwohl auch dieser sehr beflügeln kann. Es geht auch darum, den Prozess selbst zu genießen und mit allen Menschen, mit denen wir beruflich zu tun, Spaß zu haben. Zuviel verlangt? Nein. Mit weniger sollte sich niemand zufriedengeben.

Dabei sollten wir aber nicht von unserer Arbeit verlangen, dass sie uns glücklich macht. Es ist umgekehrt: indem wir unsere eigene innere Lebensfreude in eine Tätigkeit hineinlegen, passiert die Magie. Es ist eine bewusste Entscheidung.

Daran sollten wir alle arbeiten. Immer wieder. Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zusammen. Es lohnt sich.

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